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In memoriam Univ.-Prof. Dr. Mathias M. Müller

Ein großer Gestalter der ÖQUASTA und der österreichischen Labormedizin

 

ehrenpraesident

Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Univ.-Prof. Dr. Mathias M. Müller, der am 12. August 2026 in Innsbruck verstorben ist. Mit ihm verliert die österreichische und internationale Labormedizin eine ihrer prägendsten Persönlichkeiten – die ÖQUASTA aber verliert einen Menschen, der ihre Entwicklung über Jahrzehnte entscheidend gestaltet und ihr wissenschaftliches Selbstverständnis nachhaltig geprägt hat.

 

Mathias Müller war Professor für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Wien und langjähriger Leiter des Instituts für Labordiagnostik am Kaiser-Franz-Josef-Spital und am Preyer’schen Kinderspital. Seine wissenschaftliche Arbeit umfasste ein außergewöhnlich breites Spektrum – von Purinstoffwechsel und klinischer Biochemie über oxidativen Stress und Transplantationsmedizin bis zu Standardisierung, Qualitätssicherung und metrologischer Rückführbarkeit. Sein wissenschaftliches Werk umfasst mehr als 300 Publikationen.

Die ÖQUASTA – eine Lebensaufgabe

In besonderer Weise bleibt sein Name mit der Österreichischen Gesellschaft für Qualitätssicherung und Standardisierung medizinisch-diagnostischer Untersuchungen – ÖQUASTA – verbunden.

Bereits von der Gründung im Jahre 1980 bis 1992 war Mathias Müller Generalsekretär der ÖQUASTA. In dieser Funktion trug er maßgeblich Verantwortung für Organisation und Aufbau des österreichischen Ringversuchsprogramms, das die wesentlichen Bereiche der klinischen Diagnostik – Klinische Chemie, Hämatologie, Gerinnung, Blutgruppenserologie und weitere Gebiete – umfasste. Ab 2005 übernahm er die Präsidentschaft der Gesellschaft und prägte ihre Entwicklung über viele weitere Jahre. Im Jahre 2022 wurde er zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Für Mathias Müller war Qualitätssicherung nie bloß die Erfüllung formaler Vorgaben. Sie war Ausdruck einer wissenschaftlichen und ärztlichen Grundhaltung: Ein Laborwert erhält seinen medizinischen Wert erst dann, wenn er verlässlich, vergleichbar und für die Behandlung des Patienten wirklich aussagekräftig ist.

Dieses Verständnis führte ihn folgerichtig von der klinischen Biochemie zur Standardisierung und Metrologie. International setzte er sich für Referenzsysteme, zertifizierte Referenzmaterialien und die Vergleichbarkeit von Messergebnissen ein und war wesentlich an der Entwicklung des Joint Committee for Traceability in Laboratory Medicine (JCTLM) beteiligt.

Eine weitere außergewöhnliche Aufgabe übernahm Mathias Müller während der COVID-19-Pandemie. Von 2019 bis 2023 leitete er das COVID-19-Testlabor von Lifebrain in Wien, das größte COVID-19-Labor Europas. Für Mathias Müller war dies noch einmal eine Aufgabe, die vieles vereinte, was sein berufliches Leben geprägt hatte: Labormedizin in größtem Maßstab, konsequente Qualitätssicherung, Organisation, Automatisierung und die Verantwortung, auch unter enormem Zeit- und Mengendruck verlässliche medizinische Ergebnisse zu gewährleisten.

Seine internationale Karriere war außergewöhnlich. Nach zahlreichen Funktionen innerhalb der IFCC stand er von 2000 bis 2005 als Präsident an der Spitze der International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine. Doch bei aller internationalen Anerkennung blieb ihm die österreichische Labormedizin und insbesondere die ÖQUASTA ein besonderes Anliegen.

Er verstand Qualität nicht als statischen Zustand, sondern als kontinuierlichen Prozess. Ringversuche waren für ihn daher weit mehr als eine regulatorische Verpflichtung: Sie waren ein Instrument des Lernens, des Vergleichens und der ständigen Verbesserung. Dieses Verständnis gehört heute zum Fundament der ÖQUASTA und ist ein wesentlicher Teil seines Vermächtnisses.

Mein Professor, Mentor und Freund

Für mich persönlich bedeutet sein Tod weit mehr als den Verlust eines herausragenden Kollegen.

Mathias Müller war mein Professor für Medizinische Chemie und Biochemie an der Universität Wien. Ich habe ihn zunächst als Student erlebt – als anspruchsvollen Lehrer, der Präzision verlangte, wissenschaftliche Oberflächlichkeit nicht gelten ließ und uns vermittelte, dass man Zusammenhänge verstehen und nicht bloß Fakten lernen sollte. Ich habe vor über 40 Jahren an der Medizinischen Fakultät der Universität Wien meine Rigorosen in medizinischer Chemie und in Biochemie bei ihm abgelegt.

Aus dem Verhältnis zwischen Professor und Schüler entwickelte sich über die Jahre eine kollegiale und persönliche Verbundenheit. Unsere gemeinsame Welt beschränkte sich dabei keineswegs auf Medizin, Labor und Wissenschaft.

Eine besondere Verbindung zwischen uns war die Oper.

Mathias war nicht einfach Opernliebhaber, er war ein Kenner, kannte Werke, Sänger, Dirigenten und Interpretationen mit einer Genauigkeit, die selbst unter passionierten Opernbesuchern außergewöhnlich war. Er konnte Aufführungen über Jahrzehnte hinweg miteinander vergleichen und über Stimmen und Interpretationen mit derselben analytischen Schärfe diskutieren, mit der er wissenschaftliche Fragen behandelte.

Diese Leidenschaft haben wir geteilt. Viele unserer Gespräche führten deshalb ganz selbstverständlich von der Labormedizin zur Musik, von wissenschaftlichen Fragen zu einer Aufführung, einem Sänger oder einem Dirigenten. Gerade diese Gespräche bleiben mir besonders in Erinnerung. Und natürlich die gemeinsamen Opernbesuche. Noch im Juni besuchte er Aufführungen in der Wiener Staatsoper und im Juli war er an der Mailänder Scala, dort hatte er seit Jahren ein Abonnement.

Mathias Müller konnte fordernd sein. Er war streitbar, unabhängig im Denken und mitunter provokant. Aber gerade darin lag ein Teil seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit. Er erwartete Kompetenz und intellektuelle Redlichkeit. Zugleich war er Menschen, denen er vertraute, mit großer Loyalität und Großzügigkeit verbunden.

Mit Mathias Müller verliert die ÖQUASTA einen ihrer großen Architekten, die österreichische Labormedizin einen ihrer bedeutendsten Vertreter und ich persönlich meinen ehemaligen Professor, späteren Weggefährten und einen Menschen, mit dem mich neben der Medizin und Wissenschaft eine tiefe Liebe zur Oper verbunden hat.

Was er für die Qualitätssicherung in Österreich aufgebaut und über Jahrzehnte weiterentwickelt hat, wird bleiben. Ebenso seine wissenschaftliche Haltung, sein Anspruch an Präzision und Qualität – und bei jenen, die ihn persönlich kannten, die Erinnerung an einen unverwechselbaren Menschen.

Unsere Gedanken sind bei seiner Familie - seinem Sohn Michael, seiner Tochter Tina, seinem Bruder Michael und seinem Lebensmenschen Andrea.

Stylianos Kapiotis
für die ÖQUASTA

Nach einem einstimmigen Votum des Vorstandes der Öquasta, wurde Univ. Prof. Dr. M. Müller, aufgrund seiner langjährigen Verdienste und seiner hervorragenden Amtsführung, bei der 95.Vorstandsitzung am 29.April.2022 zum Ehrenpräsidenten gewählt.

Univ. Prof. Dr. Mathias Müller hat maßgebend am Aufbau der Öquasta mitgewirkt und diese über viele Jahre als Präsident geleitet. Während seiner langjährigen Amtszeit wurden die Arbeitsprozesse und Techniken der Öquasta immer an den modernsten Wissenstand angepasst und verbessert.

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